Die Projekttage politische Bildung 2025/2026

 

Die Schülerinnen und Schüler forderten mehr politische Bildung am Gymnasium Allee. Aus dieser Forderung und dem Antrag an die Schulkonferenz resultieren die „Projekttage politische Bildung“. Es ist das Ziel dieser Tage, dass die politische Bildung in allen Jahrgängen an zwei Tagen im Schuljahr im Mittelpunkt steht und sich alle Schülerinnen und Schüler mit politischen Inhalten befassen. Im Folgenden findet sich ein Gesamtüberblick dieser Tage aus der Perspektive des Redaktionsteams der Tage – im Übrigen ein eigenständig anwählbarer Workshop in den Jahrgängen 10 bis 12.

Jahrgänge 5 bis 9: Politik ist mehr als nur ein Fach – sie betrifft uns jeden Tag

Ein Streit im Klassenchat. Werbung, die plötzlich genau das zeigt, worüber man gestern noch gesprochen hat. Oder die Frage, was eigentlich passiert, wenn Jugendliche eine Straftat begehen. Genau mit solchen Themen haben sich die Klassen bei den Tagen der politischen Bildung beschäftigt. Wir vom Redaktionsteam der Oberstufe waren unterwegs in der Unter- und Mittelstufe, haben zugehört, nachgefragt und Eindrücke gesammelt. Dabei wurde schnell klar: Politik ist viel näher an unserem Alltag, als viele denken.

In der fünften Klasse drehte sich alles um das Thema Mobbing – vor allem auch im digitalen Raum. Ein wichtiger Schwerpunkt war dabei der Umgang mit Iserv, unserer schuleigenen Plattform. Gemeinsam wurde besprochen, wie man sich im Klassenchat respektvoll verhält, was passiert, wenn jemand ausgeschlossen wird, und warum auch Nachrichten im Internet verletzen können. Viele Schülerinnen und Schüler erzählten von Erfahrungen mit Gruppen, in denen einzelne bewusst nicht dabei sind, oder von Videos und Bildern, die weitergeleitet wurden und Streit ausgelöst haben. Es ging nicht darum, jemanden bloßzustellen, sondern darum, zu verstehen: Hinter jedem Bildschirm sitzt ein Mensch. Und gerade auf IServ, das wir täglich nutzen, trägt jede und jeder Verantwortung für einen fairen Umgang.

Die sechsten Klassen beschäftigten sich mit Gaming und Datenschutz – ein Thema, das bei vielen sofort Interesse geweckt hat. Es wurde darüber gesprochen, welche Daten Apps sammeln und warum personalisierte Werbung kein Zufall ist. Einige waren überrascht, wie viele Informationen sie unbewusst preisgeben. Durch praktische Aufgaben und anschauliche Beispiele wurde deutlich, wie Unternehmen mit Daten Geld verdienen. Viele nahmen sich vor, künftig genauer hinzuschauen, bevor sie etwas akzeptieren oder teilen.

In Jahrgang 8 stand Jugendkriminalität auf dem Plan. Mit Fallbeispielen, Gesprächen und Rollenspielen wurde erarbeitet, welche Konsequenzen Straftaten haben können und worin der Unterschied zwischen Strafrecht und Zivilrecht liegt. Auch ein Gerichtsbesuch war Teil des Programms. Manche fanden einzelne Arbeitsphasen etwas anspruchsvoll, gleichzeitig wurde deutlich, dass das Thema viele zum Nachdenken gebracht hat – vor allem, weil es um reale Fälle und echte Folgen geht.

Der neunte Jahrgang setzte sich mit Flucht und Migration auseinander. In einem Museumsgang konnten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Perspektiven kennenlernen und sich eigenständig mit Einzelschicksalen beschäftigen. Interviews und Rollenspiele halfen dabei, sich in andere Lebensrealitäten hineinzuversetzen. Auch wenn die Arbeitsweise teilweise ruhiger war, wurde das Thema als wichtig und gesellschaftlich relevant wahrgenommen.

Was diese Tage besonders gemacht hat, war nicht nur der Inhalt, sondern die Gespräche, die entstanden sind. Es wurde diskutiert, hinterfragt und manchmal auch kritisch angemerkt, was gut lief und was man noch verbessern könnte. Vor allem interaktive Elemente – wie Rollenspiele oder Ausflüge – kamen gut an, weil man dabei selbst aktiv werden konnte.

Am Ende haben die Tage der politischen Bildung vor allem eines gezeigt: Politik beginnt nicht erst im Rathaus oder im Bundestag. Sie beginnt im Klassenchat auf IServ, beim Umgang mit persönlichen Daten oder bei der Frage, wie wir miteinander sprechen und umgehen. Wenn man merkt, dass die Themen direkt etwas mit dem eigenen Leben zu tun haben, hört Politik auf, trocken zu wirken – und wird plötzlich ziemlich relevant.

Jahrgänge 10 bis 12 – Workshops und Themenvielfalt

In den Jahrgängen 10 bis 12 konnten die Schülerinnen und Schüler aus einer Auswahl von insgesamt 20 Workshops nach ihren Interessen und Neigungen wählen. Im Folgenden werden jeweils kurze Einblicke in die jeweiligen Workshops gegeben:

  1. Wehrpflicht – Braucht Deutschland eine neue Wehrpflicht?

Am ersten Tag wurde sich mit der generellen Lage befasst und was Wehrpflicht eigentlich genau ist. Als externer Referent kam Detlef Mielke vom Verband der Kriegsdienstverweigerer und vertrat die Position, dass eine Wehrpflicht abgeschafft werden müsste. Am Donnerstag besuchten und dann noch zwei weitere Personen den Workshop. Zuerst kam Herr Marshall, ein Jugendoffizier der Marine, und berichtete über die Bundeswehr im Allgemeinen. Außerdem beantwortete er auch viele Fragen die die SchülerInnen an die Bundeswehr und bezüglich der Wehrpflicht hatten. Es kam zum Teil auch zu Debatten über eine Wiedereinführung der Wehpflicht. Anschließend begrüßten wir an der Schule auch noch den Autor, Aktivist sowie Podcaster Ole Nymoen, der den SchülerInnen über seinen Standpunkt, nicht für Deutschland kämpfen zu wollen, und seine klare Haltung gegen eine Wehrpflicht berichtete. Außerdem bekamen wir Besuch von einem Mitglied des Streikkomitees gegen die Wehpflicht. Abschließend kann man sagen, dass viele verschiedene Standpunkte vertreten wurde, die Schüler*innen die Möglichkeiten gab, sich ein Bild der Situation und somit eine eigene Meinung zu bilden. Abschließend kann man sagen, dass dieser Workshop grundsätzlich als Teil der Projekttage nur in diesem Maße möglich war, da die Lehrer*innen, die für dessen Organisation zuständig waren, hervorragende Leistung in der Planung geleistet haben.

  1. Reichensteuer – Sind Milliardäre ein Systemfehler?

In diesem Workshop lernten die Teilnehmenden die Grundlagen des deutschen Steuersystems kennen. Am ersten Tag waren zwei Referenten einer Steuerkanzlei anwesend, die eine inhaltliche Vertiefung boten. Am zweiten Tag wurden unterschiedliche Reformideen des Steuersystems diskutiert Indie Komplexität des Steuerrechts selbst in den Blick. Eine zentrale Erkenntnis war, das einfache Forderungen nach einer Reichensteuer nicht das Wundermittel ist.

  1. Soziale Stadtentwicklung – Wie sollen sich Hamburg und Altona weiterentwickeln?

In diesem Workshop zur Stadtentwicklung in Hamburg beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Frage, wie sich eine Stadt entwickelt und bezahlbar bleiben kann. Dafür wurde mit ExpertInnen der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen am ersten Tag diskutiert. Am Beispiel von der Neuen Mitte Altona wurde geschaut, wie Stadtplanung konkret funktioniert: Welche Interessen spielen eine Rolle? Wer ist beteiligt? Und welche Konflikte entstehen? Im Anschluss übernahmen die Teilnehmenden in einem Planspiel selbst verschiedene Rollen – zum Beispiel aus Politik, Verwaltung, Anwohnerschaft oder Investorenseite – und entwickelt eigene Argumente und Positionen. In einer Stadtteilbegehung am Donnerstag wurde unmittelbar vor Ort geschaut, wie sich solche Entscheidungen in der echten Welt niederschlagen.

  1. Stars und Politik – Sollen und dürfen Stars politisch sein?

Stars aus Musik, Sport und Co. haben heutzutage vielfältigen Zugang zu ihren Follower*innen und damit potentiell immensen Einfluss. Gerade, wenn es um politische Entscheidungen geht, kann ihr Wort viele erreichen. Untersucht wurde in diesem Workshop der Einfluss von prominenten Personen auf die öffentliche Meinung. Welche Celebrities beeinflussen politisch und wem würdet ihr gar nicht vertrauen? Diese Fragen waren zentral.

  1. Politischer Journalismus – Ist Journalismus immer politisch?

Die Schüler des Workshops “politischer Journalismus“ trafen sich mit der Journalistin Azadé Peșmen und durften sie über ihren Beruf ausfragen. Sie erzählte viel über ihre Arbeit mit Podcasts und wie sie zu ihrem Beruf kam. Es wurde viel gefragt und sich interessiert beteiligt. Azadé brachte viele Informationen über journalistische Standards und Prozesse, wie entschieden wird was berichtet wird, wie man mit den Menschen die man interviewt respektvoll umgeht und wie Journalisten ihre Informationen beschaffen, mit. Auch erzählte sie viel über den Fall des Rappers Deso welcher dann zum IS ging, über welchen sie eine Podcast-Reportage produzierte und moderierte und dafür sogar mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Die Schüler waren sehr zufrieden mit ihrem Besuch und der Tag somit erfolgreich.

  1. Unbox Gender – Was macht uns aus?

In diesem Workshop begaben sich die Teilnehmenden auf eine Entdeckungsreise rund um Geschlecht, Identität und Vielfalt. Dafür besuchten sie das Magnus Hirschfeld Centrum in Hamburg und lernten von Expert*innen sowie aus den Erfahrungen Betroffener. Anschließend reflektierten sie die Eindrücke und vertieften sie durch eigenständige Recherchen – von Fachliteratur über Podcasts bis hin zu persönlichen Geschichten. So wurden traditionelle Rollenbilder hinterfragt, entdeckt, was uns als Individuen wirklich ausmacht und überlegten, wie frei man darin ist, Gender zu wählen oder insgesamt zu dekonstruieren.

  1. Utopien – Wie wollen wir zusammen leben?

Das wurde durch eigenes politisches Handeln erkundet und eine eigene kleine Gesellschaft gegründet. Immer wieder wurde das gegründete Dorf vor Herausforderungen gestellt: Soll man alles teilen oder gibt es Wettbewerb? Werden die Dinge gemeinsam entschieden oder soll jemand den Hut aufhaben? Zur vertieften Recherche wurden Experten wie Karl Marx oder John Locke „befragt“ und deren Ideen praktisch ausprobiert.

  1. Die Macht der Sprache – Die Kunst der politischen Rede

Was macht eine politische Rede kraftvoll und überzeugend? In diesem zweitägigen Workshop analysierten die Teilnehmenden berühmte Reden und politische Botschaften in digitalen Medien, untersuchten sprachliche und nonverbale Techniken und setzten sich mit aktuellen politischen Diskursen auseinander. Durch die gezielte Analyse rhetorischer Mittel und Körpersprache sowie eine Einführung in Foucaults Diskurstheorie wurden Sprachstrategien im politischen Kontext greifbar. Am zweiten Tag stand die Praxis im Fokus: Eigene Reden wurden verfassen und wirkungsvoll vorgetragen.

  1. KI und Gesellschaft – Wie werden und wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?

Bei diesem Workshop setzten sich die Teilnehmenden mit der Frage auseinander, wie wir künftig leben wollten. Ausgehend von der rasant voranschreitenden Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft diskutierten sie, was dies konkret für Alltag, Entscheidungen und Zukunft bedeutete.

Gemeinsam tauchten die Anwesenden in zentrale Aspekte der KI ein, sammelten Fragen, loteten Chancen und Risiken aus und reflektierten, wie KI das Zusammenleben prägen könnte – und welche Haltung jede und jeder dazu einnehmen wollte. Der Schwerpunkt lag auf politischer Bildung, kritischem Denken und dem Austausch über aktuelle Entwicklungen, die alle betreffen. Die Veranstaltung förderte einen offenen Dialog und schärfte das Bewusstsein für verantwortungsvolle Gestaltung in einer von KI geprägten Zukunft.

  1. Kino durchdenken – Film und Ideologiekritik Es geht in die Wüste!

Wie ein Film uns etwas über die Welt erzählen kann, wurde im Workshop „Kino anders gedacht“ analysiert: Anhand der Neuverfilmung von Frank Herberts Science-Fiction-Epos „DUNE – Der Wüstenplanet“ (Regie: Denis Villeneuve) wurde untersucht, was die Inszenierung der Geschichte des jungen Herzogs Paul, der vom Thronfolger zum Rebellenanführer und schließlich zum scheinbaren Erlöser wird, über unseren Umgang mit Kolonialismus, Ressourcenverbrauch und Messianismus erzählt. So zeigten verschiedene gedankliche Zugänge zu dem Stoff das Spannungsfeld auf, in dem man den Film betrachten kann: Legitime Kritik am postkolonialen Westen oder versteckter White-Saviorism?

  1. Frauenrechte – Sind wir schon frei?

Im Rahmen der politischen Bildungstage diskutierte ein zweitägiger Workshop intensiv die Lage von Frauen in Deutschland. Geleitet von Marie (Studentin) und Alia (Schülerin) arbeiteten die hauptsächlich weiblichen Teilnehmenden im Sitzkreis zu Leitfragen. Im Fokus standen Fortschritte und weiterhin bestehende Ungleichheiten, besonders im Beruf und in Führungsetagen; Leistung solle zählen, strukturelle Hürden müssten aber benannt werden. Einigkeit herrschte, dass Gleichberechtigung gemeinsame Aufgabe sei – mit gleichen Rechten und Pflichten. Kontrovers debattiert wurden Rollenbilder in sozialen Medien, u. a. „Trad Wives“, sowie Musikbeispiele von Shirin David und Ikkimel zwischen Provokation und Selbstermächtigung. Kritisch angemerkt wurde, dass zu Beginn mehr diskutiert als vertieft eingeordnet wurde; dennoch bot der Workshop wertvollen Austausch und neue Perspektiven.

  1. Gegen Rassismus – Zeit aktiv zu werden gegen Rassismus!

Am Mittwoch, 25.02.2026, widmete sich der Workshop „Gegen Rassismus“ der Frage, was ein Rechtsruck ist, wie er in Deutschland entstand und was man dagegen tun konnte. Als Rechtsruck wurde eine gesellschaftliche Verschiebung zu rechteren Positionen sowie die systematische Ausgrenzung von Minderheiten verstanden. Diskutiert wurden aktuelle Treiber wie Unzufriedenheit, wirtschaftliche Sorgen und soziale Unsicherheit. Der Kurs betonte, dass die AfD Unzufriedenheit aufgriff und Migrantinnen und Migranten als Sündenböcke adressierte, was Anfeindungen verstärkte. Als Gegenmaßnahmen galten Aufklärung über strukturelle Ursachen jenseits von Migration, mehr soziale Gerechtigkeit und der Aufbau von Zusammenhalt. Die Teilnehmenden hielten fest, dass einfache Schuldzuweisungen keine Lösungen boten, jedoch komplexe, solidarische Antworten nötig waren.

  1. Olympia in Hamburg – Wir haben die Wahl!

Im Rahmen der Tage der politischen Bildung setzten sich Schülerinnen und Schüler der Klassen 10–12 mit Olympischen Spielen und Stadtentwicklung auseinander. Vier Gruppen erarbeiteten Antike (inklusive nackter Wettkämpfe), Neuzeit und Coubertin, Vergabeprozess (Rolle des Geldes) sowie Austragungsorte (bisher nie in Afrika). Anschließend diskutierten sie eine mögliche Hamburger Bewerbung: Chancen sahen sie in Tourismus, Bekanntheit, modernisierten Sportstätten und besserem ÖPNV; Risiken in hohen Kosten, mehr Verkehr und Müll sowie möglicher Fehl­nutzung neuer Bauten. In einem Planspiel zur Stadtplanung vertraten sie diverse Rollen und stritten über einen autoarmen Stadtteil, Barrierefreiheit und Umweltaspekte.

  1. Jugendkriminalität – Gehört jeder jugendliche Straftäter*in sofort ins Gefängnis?

Gehört jede jugendliche Straftäterin oder jeder jugendliche Straftäter sofort ins Gefängnis? In einem zweitägigen Programm gingen Schülerinnen und Schüler dieser Frage praxisnah nach. Am ersten Tag leitete ein ehemaliger Häftling des Vereins „Gefangene helfen Jugendlichen“ ein Präventionsseminar, in dem Gewalterfahrungen, Suchtprobleme, Hetze in sozialen Medien, Bildung und Leistungsdruck als Risikofaktoren diskutiert wurden. Am zweiten Tag stand der Besuch eines Gerichtsprozesses auf dem Plan, um die Abläufe und Entscheidungsfindung in einem rechtsstaatlichen Verfahren kennenzulernen. Das Projekt verband persönliche Einblicke mit juristischer Praxis und schärfte das Verständnis für Prävention statt pauschaler Strafen.

  1. Flucht und Migration – Zwischen globalen Krisen und lokaler Verantwortung

Zwischen globalen Krisen und lokaler Verantwortung standen Ursachen, Wege und Herausforderungen von Flucht und Migration im Fokus des Workshops. Die Teilnehmenden beleuchteten Kriege, Verfolgung, wirtschaftliche Not und Klimawandel als Treiber, analysierten Push- und Pull-Faktoren und kartierten zentrale Konflikträume. Mit Blick auf Hamburg diskutierten sie Aufnahme, Unterbringung, Integration und kommunale Handlungsspielräume. Der Workshop verband geopolitische Hintergründe mit menschlichen Perspektiven, förderte Empathie und schärfte den Blick für komplexe Zusammenhänge. Abschließend reflektierten die Gruppen aktuelle Debatten und suchten nach konstruktiven lokalen Ansätzen.

  1. Was ist eigentlich ›rechts‹? Und was nicht? Was heißt eigentlich „rechts“?

Im Rahmen der Tage der politischen Bildung setzten sich Teilnehmende mit Erscheinungsformen der Neuen Rechten auseinander: von der Traditionslinie der „Konservativen Revolution“ (u. a. Schmitt, Jünger, Freyer) bis zu heutigen Strömungen, die sich vom NS-Bezug rhetorisch distanzierten, aber antidemokratische Muster fortführten. Diskutiert wurden rechte Kontinuitäten in BRD und DDR, antisemitische Übergriffe, „Baseballschlägerjahre“, völkische Siedlungen, Wehrsportgruppen und Hooligan-Netzwerke nach 1989. Im Fokus standen Kernfragen: Was verbindet rechte Ideologien? Warum erleben sie derzeit Auftrieb? Wo drohen eigene Denkfallen? Am ersten Tag besuchten die Gruppen eine Ausstellung; am zweiten Tag debattierten sie mit externen Referenten aus der Region Jarmen über die Neue Rechte in der mecklenburgischen Provinz und loteten authentische, realistische linke Antworten aus.

  1. UN im Klassenzimmer – Model United Nations

Am Beispiel des Russland-Ukraine-Kriegs lernten die Teilnehmenden die Vollversammlung und den Sicherheitsrat kennen. Am zweiten Tag wurde eine Vollversammlung mit unterschiedlichen Ländern simuliert. Nach intensiven Debatten wurde sich auf friedliche Lösung des Konfliktes geeinigt. Gleichzeitig wurden die Grenzen der Vollversammlung und des Sicherheitsrates in internationalen Konflikten deutlich.

  1. PUNK – Zwischen Protest, Verweigerung und Aufbruch

An den Tagen der politischen Bildung am Gymnasium Allee gibt es eine Vielzahl von Workshops zu Politik. Doch einer sticht heraus: „PUNK”. Ist das überhaupt Politik oder doch eher Musik? Und passt der Workshop zur Idee, politische Bildung zu vermitteln?

Bei den Tagen der politischen Bildung am Gymnasium Allee hob sich der Workshop „PUNK“ deutlich ab. Zu Beginn sammelten die Teilnehmenden Vorstellungen und Erfahrungen mit Punk; schnell zeigte sich: Punk war mehr als Musik — eine politische, anti‑normative, oft anarchistische Haltung mit Forderungen nach Gerechtigkeit und Zusammenhalt. Klassiker wie „God Save the Queen“ (Sex Pistols) und „Holiday in Cambodia“ (Dead Kennedys) wurden analysiert und als politische Statements gegen Herrschaft und Gleichgültigkeit gedeutet. Praktisch schrieben die Schüler*innen eigene Texte, lernten einfache Akkorde und performten am Ende live — ganz im Sinne einer DIY‑Ästhetik, die technische Perfektion nicht voraussetzte. Für alle, die Politik auch als Lebensstil begreifen wollten, bot der Workshop eine gelungene Verbindung von Theorie und Praxis.

  1. Politik heißt Entscheiden – Wie treffen wir Menschen eigentlich Entscheidungen?

Wie treffen Menschen Entscheidungen – und warum oft anders als erwartet? Im interaktiven Workshop erkundeten Schülerinnen und Schüler Psychologie, Verhaltensökonomie und politische Entscheidungsforschung. Anhand von Daten diskutierten sie, welche Maßnahmen wirklich wirkten – und welche nur gut klangen. Herzstück war ein internationales Serious Game zur Klimapolitik: In der Simulation übernahmen die Teilnehmenden Regierungsrollen und rangen mit Zielkonflikten zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Klimaschutz. So verband der Kurs wissenschaftliches Denken mit Praxis, Teamarbeit und Debatte – und schärfte das Verständnis dafür, wie Verhalten, Evidenz und Politik zusammenwirken, um komplexe Probleme zu lösen.

  1. Redaktionsteam – Den Tag der Poilitischen Bildung journalistisch begleiten

Das Redaktionsteam besuchte sämtliche Angebote und Workshops an beiden Tagen und übernahm die Berichterstattung inklusive dieses Artikels. Dabei lernten wir unterschiedliche Textsorten kennen und die Besonderheiten und Hürden journalistischer Berichterstattung. Wir bekamen so einen Eindruck der gesamten Tage und konnten hinter die Kulissen blicken und überall „reinschnuppern“.

Die Tage der politischen Bildung haben gezeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen Raum zu geben, sich aktiv mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Durch Workshops, Diskussionen und interaktive Formate konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihr Wissen erweitern, sondern auch eigene Meinungen entwickeln und hinterfragen. Besonders wertvoll war der Austausch über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, der deutlich gemacht hat, dass Demokratie vom Mitdenken und Mitmachen lebt.

Insgesamt haben die Projekttage dazu beigetragen, politisches Interesse zu stärken, kritisches Denken zu fördern und die Bedeutung von Toleranz, Vielfalt und Verantwortung hervorzuheben. Für nächstes Jahr wünschen wir uns noch mehr Mitbestimmung, bei der Gestaltung der Workshops.

Das Redaktionsteam der Projekttage politische Bildung 2025/ 2026 mit Unterstützung von Stefan Hamm und Eric Willems