Die 9e erinnert an Süleyman Taşköprü
Anlässlich des 25. Todestags von Süleyman Taşköprü am 27. Juni 2026 setzte sich die Klasse 9e im PGW-Unterricht mit seinem Leben, dem NSU-Komplex und der Frage auseinander, was Erinnern heute bedeuten kann. Süleyman Taşköprü lebte in Hamburg-Altona, war Familienvater und arbeitete im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in der Schützenstraße. Am 27. Juni 2001 wurde er dort vom rechtsextremen Terrornetzwerk NSU ermordet. Die damaligen Ermittlungen belasteten sein Umfeld und seine Familie über Jahre, bevor der rechtsextreme Hintergrund der Tat öffentlich bekannt wurde.
Ausgangspunkt der Unterrichtsreihe waren die Biografien der Opfer des NSU-Komplexes. Die Schüler:innen lernten die Opfer als Menschen kennen, die Familien, Berufe, Interessen und Zukunftspläne hatten. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr falsche Verdächtigungen, Ermittlungsfehler und die Fokussierung auf die Täter ihre Geschichten lange überlagerten.
Vertieft wurde diese Auseinandersetzung durch den Besuch der Ausstellung „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ im Altonaer Museum. Zurück im Unterricht wandte sich die Klasse der politischen Dimension des Falls zu: Ermittlungsfehler, offene Fragen der Aufarbeitung, die Forderungen der Familie Taşköprü und die Verantwortung demokratischer Institutionen. Viele Gespräche führten zu der Frage, was aus Erinnerung folgen kann: genaues Hinsehen, Nachfragen, Widerspruch gegen Rassismus und die Bereitschaft, Verantwortung im eigenen Umfeld zu übernehmen.
Besonders beeindruckend war die Ernsthaftigkeit, mit der die Schüler:innen an diesem Thema gearbeitet haben. Einige Gruppen beschäftigten sich im Rahmen des Forschenden Lernens weiter mit offenen Fragen, besuchten Orte der Erinnerung, führten Interviews mit Angehörigen und Expert:innen und entwickelten eigene Zugänge zu diesem schwierigen Thema. Ihre Arbeit zeigt, dass Erinnerung lebendig bleibt, wenn Menschen nachfragen, zuhören und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Hannes Lübcke

