„'s ist Zeit, Marie.“ - Der Jahrgang 11 sieht „Woyzeck“ im Schauspielhaus

„’s ist Zeit, Marie“, sagt Woyzeck und ersticht anschließend seine Freundin Marie. Doch bei einem Mord bleibt es nicht. 

Passend zu unserem Einstieg in das Abitur-Thema „Woyzeck“, dem Dramenfragment von Georg Büchner, besuchten wir am Donnerstag, den 2. Februar 2023, mit dem gesamten Jahrgang 11 das Schauspielhaus Hamburg, um uns die „Woyzeck“-Inszenierung von Lucia Bihler anzuschauen. Kernthema des Stücks: der Femizid, die vorsätzliche Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. 

Regisseurin Lucia Bihler arbeitet mit markanten theatralen Mitteln: mit neonfarbenen Kostümen, einem rosafarbenen Zimmer, das mit Gummiwänden ausgestattet ist, und mit teuflischen Hörnern auf den Köpfen der Darsteller:innen. Besonders bemerkenswert ist die Drehbühne im Zentrum der Leinwand, die aus einem kleinen Guckkasten besteht. Denn sie symbolisiert die eingeschränkte Perspektive Woyzecks, der von seinen Mitmenschen ausgenutzt, hintergangen und schließlich in den Wahnsinn getrieben wird. Zwischen den Szenen schließt sich immer wieder die Leinwand und ein großes Auge richtet seinen Blick ins Publikum. Die Botschaft: Wir alle schauen zu und leisten keinen Widerstand, wenn Frauen täglich von Gewalt betroffen sind und an jedem dritten Tag in Deutschland ein Mann eine Frau tötet.

Das Thema verdient definitiv mehr Aufmerksamkeit: Ignoranz führt zum Tod. Wir können das fulminante Theaterstück nur weiterempfehlen, denn Bihlers Bearbeitung eröffnet ein neues Verständnis von Büchners „Woyzeck“.

Tanaz Samadi und Abtin Anoosheh