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Jahr-der-Künste-Projekt: Spuren suchen – Spuren legen

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Das Jahr 2009 war für die Hamburger Schulen ein besonderes Jahr: das Jahr der Künste.
Die Initiative ging vom Gestaltungsreferat der Bildungsbehörde aus und der Aufruf ging an die ästhetischen Fächer aller Hamburger Schulen: Zeigt, was ihr könnt!
Ziel war es, den Künsten an den Schulen eine breitere Aufmerksamkeit zu verschaffen und das, was dort geleistet wird, im Wortsinn nach außen zu tragen: hinein in die Stadt.
Das Motto „Stadträume – Stadtträume“ sollte dazu anregen, die Grenzen schulischer Arbeit zu überschreiten – und das in unterschiedlicher Weise: Zum einen ging es darum, den Stadtraum zum Thema der Unterrichtsarbeit zu machen, ihn zu erkunden und künstlerisch zu erobern, zum anderen wurde dazu angeregt, in vielfältigen Projekten neue Arbeitspartnerschaften einzugehen: mit anderen Fächern, anderen Schulen und außerschulischen Partnern.
Schul- und Kulturbehörde übernahmen die Schirmherrschaft über das Jahr der Künste und förderten mit Hilfe der Stiftung Hermann und Milena Ebel über 100 Projekte.
 
Auch wir hatten das Glück, die Jury mit einer Projektidee zu überzeugen: Wir wollten zusammen mit der Architektin Susanne Szepanski in Altona „Spuren suchen“ und „Spuren legen“.
Zu Beginn der Arbeit stand die Reflexion: Was macht einen Ort eigentlich aus? – Wodurch wirkt er? – Was bestimmt ihn?
An einem Beispiel sollten diese Fragen im Anschluss daran konkret werden. Gemeinsam zogen wir in den Lessingtunnel und ließen dessen zweifellos ganz speziellen genius loci auf uns wirken... Schöner ist der Tunnel dadurch nicht geworden, aber unser Blick auf ihn hat sich doch verändert. Unterschiedliche Untersuchungsaufträge lenkten unsere Wahrnehmung auf vieles, für das man alltäglich blind, taub und gefühllos bleibt.

Diesem Beispiel folgend suchten die Schülerinnen des Grundkurses Kunst S1 dann selbstständig rund um die Schule Orte und Plätze auf, die sie zur Auseinandersetzung reizten. Sie erkundeten diese Orte, spürten ihrer Gestalt, ihrer Funktion, ihrer Geschichte und der Atmosphäre nach – und reagierten mit einer künstlerischen Intervention.

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STADTWÄSCHE
„Der Standort für unsere künstlerische Intervention ist die Palmaille. Die ehemals als Sportfläche angelegte Grünfläche – heute nur noch ein Grünstreifen zwischen zwei Fahrspuren – verbindet zwei unterschiedliche, jedoch gleichberechtigte Teile Altonas: die prunkvollen Häuserreihen auf beiden Straßenseiten, die von einflussreichen Unternehmen und als Konsulatsräume genutzt werden, und den bunten, vielseitigen, für Altona typischen multikulturellen Teil. Mit unserer „Stadtwäsche“ wollen wir dieses bunte Leben ganz direkt in den Kontrast zur gediegenen Eleganz der Gebäude setzen.“ – Vanessa, Annika, Daniel, Ayca

 

 

So stellte Tugba mitten in der Großen Bergstraße zahllose Schuhe auf, die sich zu einer Traube formten, Kurs auf das alte Karstadtgebäude zu nehmen schienen und wie eine Emanation vergangenen Lebens wirkten. Mutig stellte sich Tugba während der Präsentation den Fragen der Passanten.

Jana, Julia, Bernice und Lene reflektierten das Treiben im Bahnhof Altona und gaben mit einem auf dem Boden aufgebrachten Labyrinth manchem eiligen Fußgänger einen Gedankenanstoß mit auf den Weg. Einige von ihnen riss diese Arbeit aus dem alltäglichen Trott und sie gingen den gewundenen Wegen nach – vielleicht spürten sie in diesem Augenblick hautnah, dass es nicht immer die geraden Wege sind, die uns zum Ziel führen.

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UND WOHIN FÜHRT DEIN WEG?
„Das Labyrinth stört die mechanische Gleichgültigkeit, mit der die Menschen im Berufsalltag ihre Ziele verfolgen. Es soll sie dazu anregen, den „Störfaktor Umgebung“ wieder bewusster wahrzunehmen.“ – Julia, Jana, Lene, Bernice

 

 

 

 

 

Roman hatte am Altonaer Balkon eine Reihe von Fernrohren der besonderen Art montiert. Wer einen Blick durch sie riskierte, wurde von einmontierten Ansichten aus Hafenstädten rund um die Welt überrascht. Nur eins der Rohre eröffnete den Blick auf die Elbe. Die Sehnsucht nach der Ferne, die sich so oft mit dem Blick auf das Wasser verbindet, hatte Roman zu dieser Arbeit angeregt, ebenso wie die Überzeugung, dass das Wasser die Menschen verbindet.

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DER BALKON ZUR WELT
„Man sagt, Hamburg ist „das Tor zur Welt“ wegen des Hafens. Aber nicht der Hafen verbindet die Menschen, sondern das Wasser, der Strom, der alles mit sich reißt. So auch die Gedanken und Gefühle der Menschen, die sich am Altonaer Balkon – mit einer fantastischen Aussicht auf den Hafen – niedergelassen haben. Die Menschen sitzen da und denken daran, dass irgendwo auf der Welt, in Dubai, Australien, China, den USA und Lateinamerika, Menschen genauso aufs Wasser schauen und vielleicht das Gleiche denken. Water connecting people!“ – Roman

 

 

 

 

Ein öffentlicher Rundgang durch Altona, der uns vom Nyegaardstift über das Frappant-Parkdeck zum Wohlerspark und von dort über die Palmaille zurückführte, stand am Ende der Unterrichtseinheit.
Auch wenn die Installationen schnell wieder abgebaut werden mussten, bleibt doch zu hoffen, dass sie im Bewusstsein der Schüler/innen Spuren hinterlassen haben: einen Eindruck davon, dass Orte Geschichte haben und Geschichten erzählen – und dass wir es sind, die diese Orte prägen und von ihnen geprägt werden.

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WIE DIE ZEIT VERGEHT
„Die Ausstrahlung des Nyegaard-Stifts ist eine sehr zauberhafte, verwunschene. Trotz der Lage an der viel befahrenen Max-Brauer-Allee ist das Grundstück sehr ruhig und lädt zum Träumen ein. Die Bauweise beinhaltet verschiedene Stile und im weiträumigen Garten fühlt man sich beschützt, die Zeit und die Geschehnisse außerhalb eilen an einem vorbei.
Unsere Intervention soll verdeutlichen, wie sich der Wandel in der Zeit in Musik und Kleidung widerspiegelt. Die Menschen verändern sich über Generationen an einem Ort, der schon seit fast 110 Jahren unverändert steht. Was wird in 20 Jahren hier zu sehen und zu hören sein?“ – Oona, Elena, Paul

 

 

 

 

 

 

 

 

Heidrun Kremser (Kunsterzieherin)